US-Haushaltsstreit: Fitch gibt zunächst Entwarnung

Hannover (www.aktiencheck.de) – Nach Auffassung der Ratingagentur Fitch sollte eine temporäre Aussetzung der Schuldengrenze – ein weiteres wichtiges Kapitel im US-Haushaltsstreit – kurzfristig helfen, die Sorgen um die angespannte Finanzsituation des Landes zu verringern, so die Analysten der Nord LB.

Insofern plane man nicht, den USA die Bestnote „AAA“ in den nächsten Wochen zu entziehen. Wie auch schon S&P mische sich Fitch aber mittlerweile mit unmissverständlichen Kommentaren in die politische Debatte ein – und schaffe damit zusätzlichen Druck. So drohe man der größten Volkswirtschaft der Erde mit einer Herabstufung, wenn sich Republikaner und Demokraten nicht bald auf eine gemeinsame Linie zur nachhaltigen Gesundung des US-Staathaushaltes einigen würden.

Nun werde man in Washington also die Senkung der Staatsausgaben angehen müssen. Angesichts des bekannten politischen Prozesses und der in den USA sehr umfangreichen Lobbyarbeit der von staatlichen Mitteln abhängigen Wirtschaftssubjekte (z. B. Rüstungsindustrie oder Gesundheitswirtschaft) würden hier kontroverse Diskussionen drohen.

Dabei dürften die Vertreter beider Parteien versuchen, medienwirksam Rotkäppchen und der böse Wolf miteinander zu spielen, wobei die Demokraten dem politischen Gegner wohl mit Problemen der Sozialpolitik negative Presse verschaffen werden wollten und die Republikaner den Demokraten in der Frage der Landesverteidigung mangelndes Engagement vorwerfen werden dürften. Diese dann wohl sehr öffentlichkeitswirksam ausgetragenen Streitigkeiten sollte man aber nicht überbewerten.

Die Analysten würden in der Tat bei ihrer Auffassung bleiben, dass der Zeitpunkt für eine Konsolidierung des Haushaltes aus ökonomischer Sicht sehr günstig sei. Die sich abzeichnende Erholung des US-Immobilienmarktes werde helfen; folglich könne die Transformation von einem noch staatlich gestützten hin zu einem durch die Privatwirtschaft getragenen Wachstum am aktuellen Rand endgültig gelingen. Gerade in der ersten Hälfte des noch jungen Jahres 2013 sollte die notwendige Haushaltskonsolidierung aber Belastungen auslösen. Dieses Bild der Lage zeige sich auch in den US-Wachstumsprognosen der Analysten.

Die Analysten würden weiterhin glauben, dass eine nachhaltige Behebung der fiskalischen Probleme Washingtons möglich sei. Zwar werde es eine kontroverse Debatte geben, die von den Politikern beider Parteien medienwirksam mit großer Härte geführt werden dürfte, der Zeitpunkt für eine sinnvolle Konsolidierung des US-Staatshaushaltes sei aus ökonomischer Perspektive betrachtet jedoch einfach eine viel zu große Chance, um von der Politik im Streit verspielt zu werden. (29.01.2013/ac/a/m)