Wie die Nullzins-Politik die Sparer enteignet

Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) – Japan in den 1980er. Das Leistungsbilanzungleichgewicht zwischen den USA und Japan drängt die Japaner dazu, den Yen aufzuwerten. Das wiederum löst einen spekulativen Zufluß von Kapital nach Japan aus, wodurch die Exporte des Landes stark einbrechen und es in eine Krise stürzen.

Daraufhin senkt Japan den Zins und stabilisiert damit die Konjunktur. In der Folge entstand ein Boom auf Immobilien und Aktien, der in einer Spekulationsblase mündete und die schließlich platzte. Die darauf folgenden Zinssenkungen vermochten keine Stabilisierung der Konjunktur mehr herbeizuführen und es entstanden die sogenannten Carry-Trades.

Im Rahmen der Carry-Trades werden billige Kredite aufgrund der Nahe-Null-Zinsen aufgenommen und in andere Assets bzw. in andere Länder mit einem höheren Zinsniveau angelegt. Durch die stetige Abwertung des Yen verstärkt sich die Carry-Trade-Nachfrage, da die Schulden durch die Abwertung geringer werden.

Carry-Trades nährten den Boden auch für die Asien-Krise in den 1990ern. Die sogenannten Tiger-Staaten profitierten von den billigen Krediten, doch auch diese Blase platzte im Jahr 1997. Damit gingen mehrere japanische Wertpapierhäuser zu Grunde, da sie nun auf faulen Krediten saßen.

Das spekulative Kapital aber floß nun vermehrt in sichere Häfen wie die USA, wo Zinsen ebenso gering gehalten wurden und die Dot-Com-Blase entstand, die schließlich genauso platzte.

Die Geldpolitik der FED wurde lockerer und schließlich von der europäischen Zentralbank übernommen. Die Konsequenz daraus: eine neue Blase, die in einem fulminanten globalen Crash im Jahre 2007 endete.

Konsequenzen der Null-Zins-Politik

Das Problem der Nahe-Null-Zins-Politik ist nicht dessen belebende Wirkung auf die Konjunktur. Das Problem liegt in der Entkoppelung des Kreditmarktes vom Kapitalmarkt. Beide können nicht interagieren, was aber für eine stabile Entwicklung der Konjunktur notwendig ist.

Geldpolitische Maßnahmen müssen die Kreditnachfrage ankurbeln. Stattdessen erhöht der Staat seine Ausgaben, da die Kreditnachfrage in Krisenzeiten entweder nicht da ist oder Banken nur an globale Player Kredite vergeben. Die langsam entstehende Deflation kann aber nur durch neue Investitionen eingedämmt werden. Große Unternehmen können sich größtenteils auch über den Kapitalmarkt refinanzieren. Der Kreditmarkt für kleine bis mittelständische Unternehmen trocknet aus, da hier die Konditionen absolut unverhältnismäßig hoch erscheinen.

Um die Interaktion zwischen Geld- und Kapitalmarkt wieder herzustellen, muss der Zins nach einer gewissen Zeit wieder angehoben werden.  Das Problem dabei ist nur Folgendes: Hat der Staat die fehlende Kreditnachfrage durch höhere Staatsausgaben ersetzt und sich dabei gleichzeitig verschuldet, wächst mit dem Anheben der Zinsen auch seine Schuldenlast. Zusätzlich führt die Euphorie, die an den Märkten aufgrund der lockeren Geldpolitik entsteht, dazu, dass kaum Rücklagen gebildet werden.

Es erhöht sich das Risiko spekulativer Übertreibungen, denn sollte der Zins angehoben werden, besteht die Gefahr einer Konjunkturdämpfung und noch höherer Staatsverschuldung, da nun Steuerausfälle belastend wirken. Zusätzlich werden neue Konjunkturpakete notwendig, um der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Risikoprämien für Staatsanleihen würden steigen, sodass ein Land finanziell handlungsunfähig werden könnte.

Durch die Liquiditätsschwemme der Zentralbanken wurde der funktionierende Geldmarkt sozusagen abgelöst. Da Geschäftsbanken ihre Vertrauenswürdigkeit auf dem Markt dadurch erhalten, dass sie Kredite nur an Institutionen vergeben, die eine hohe Bonität aufweisen, bleiben nur Großunternehmen und der Staat über.  Vor allem der Staat erweist sich als ein guter Schuldner, da man für Kredite an den Staat kein bis wenig Eigenkapital hinterlegen  muss.

Das Ganze wirkt sich nicht nur auf die Ersparnisse eines Anlegers negativ aus, sondern bewirkt auch eine unfaire Umverteilung der Einkommensverhältnisse.  In Boom-Phasen profitiert besonders der Finanz-Sektor, da er steigende Kurse aufgrund besserer Informationen im Vergleich zum normalen Anleger gewinnbringend nutzen kann. Gleichzeitig werden Verluste in Krisenzeiten durch geldpolitische Maßnahmen eingedämmt. Dadurch können Einschnitte in den Löhnen innerhalb des Finanz-Sektors vermieden werden. Die Kosten der Krisen wie Lohnsenkungen, Inflation und Nullzinsen werden anderen Bevölkerungsschichten auferlegt.

Besonders in den Peripherie-Staaten der EU werden die Auswirkungen der Kreditklemme deutlich. Immobilienbesitzer werden zwar mit einem niedrigen Zins angelockt, neue Schulden zu machen, doch wenn die vorher erworbene Immobilie aufgrund der geplatzten Blase nun um einiges weniger Wert ist als zum Zeitpunkt des Erwerbs, dann ist die Konsequenz daraus mehr Schuldenabbau denn -aufnahme. Denn die Hypothek lautet auf den ursprünglichen Wert. Schrumpfende Löhne verstärken diese Konsequenz.

Welche Alternativen hat der Sparer?

So wie es aktuell aussieht, gibt es für den normalen Anleger kaum Chancen, sein Kapital gewinnbringend und gleichzeitig mit einem geringen Risiko einzusetzen. Nullzinsen bewirken nicht nur eine Enteignung der Ersparnisse, sondern auch eine ungerechte Verteilung der Lohnzuwächse. Auch die Altersvorsorge unterliegt dadurch großen Einschnitten.

Wie können Anleger ihren Ruhestand, abseits der sozialen Rentenversicherung noch sicher gestalten? Die Null-Zins-Politik hat demnach auch zur Förderung von neuen Sparprodukten geführt.

Ausweichen können Anleger auf Förder-Produkte wie etwa die Riester-Rente. Mittlerweile nehmen circa 10 Mio. Menschen die Riester-Rente in Anspruch. Die Versicherer investieren dabei überwiegend in Aktien- und Rentenfonds. Sparer können im Rahmen eines Riester-Vertrages von einer Förderung profitieren, indem beispielsweise die Steuerlast absetzbar ist sowie Zulagen gewährt werden. Bei Auszahlung der Rentenbeiträge müssen diese voll versteuert werden. Riester-Renten eignen sich daher überwiegend für Gering-Verdiener.

Auf der anderen Seite gibt es das Nischenprodukt Rürup-Rente. Versicherer investieren in Anleihen, Aktien oder eben auch Renten- und Aktienfonds. Der Unterschied von Rürup- und Riester-Rente liegt primär in der Förderung, die in Form von Zulagen bei der Rürup-Rente komplett entfällt. Steuern sind zwar nicht absetzbar, werden jedoch stetig geringer mit dem steigenden Anteil der Einzahlung. Wenn die Beiträge im Zuge der Rente ausgezahlt werden, steigt die Steuerlast mit dem immer geringer werdenden Anteil. Die Rürup-Rente könnte daher für Selbständige attraktiv sein.

Ein weiteres Spar-Produkt, das zwar nicht ganz neu, aber im Bereich der Altersvorsorge gerade interessant wird, sind die sogenannten Investmentfonds. Diese Fonds-Renten-Sparpläne sind oft kostengünstiger als Versicherungspolicen und können in vielen Fällen auch eine höhere Rendite erwirtschaften als klassische Versicherungen.

Zu beachten wäre allerdings, ob der Investmentfonds unter einem Dachfonds agiert. Dann nämlich wären auch hier die Kosten äußerst renditeschmälernd. Darüber hinaus sind die Anleger mit Investmentfonds flexibel, was die Auswahl der Investmentfonds und die Auszahlung der Beiträge anbelangt. Zum Vergleich: Die Rürup-Rente wird nach dem Tod des Anlegers nur unter Zunahme eines Zusatzvertrages an den Ehepartner oder die Kinder ausgezahlt. Uneheliche Partner gehen leer aus.

Der Nachteil von Investmentfonds im Gegensatz zur Rürup-Rente liegt umhin darin, dass im Falle einer Insolvenz des Anlegers das angelegte Kapital als Insolvenzmasse in Anspruch genommen wird, während die gezahlten Beiträge in die Rürup-Rente unangetastet bleiben.

Woraus sollten Anleger bei Investmentfonds achten?

Sowohl bei Riester-als auch Rürup-Produkten legen die Anbieter für gewöhnlich in weniger spekulative Assets wie Rentenpapiere an. Doch auch risikoreiche Anlagevehikel wie Aktien oder Fonds werden zunehmend aufgrund der Null-Zins-Politik bevorzugt. Der Anleger sollte daher genau hinschauen, wo der angebotene Fond anlegt und wie erfolgreich er in der Vergangenheit war.

Einer Studie zufolge schneidet jeder dritte von einer Versicherung angebotene Fond unterdurchschnittlich ab. Erstaunlich ist aber vor allem die Tatsache, dass sich dazwischen Fonds befinden, die enorm spekulativ zum Beispiel in Rohstoffe anlegen.

Wie kommt das zustande? Gerade schlecht laufende Fonds investieren mehr in den Vertrieb, als es diejenigen mit einer deutlich positiven Performance tun. Dazu kommt noch, dass anfangs gut laufende Fonds nicht aus dem Bestand genommen werden, also das Monitoring zu wünschen übrig lässt. Systematische Anpassungen gibt es demzufolge nur in wenigen Fällen.

Fazit

Die Null-Zins-Politik hat die klassische Versicherungspolice abgelöst. An ihre Stellen tritt nun die Fondspolice als Altersvorsorgealternative. Dabei kann der Anleger grundsätzlich zwischen der geförderten Riester-Rente und der Rürup-Rente wählen. Bei beiden legen die Versicherer sowohl in spekulative als auch risikoarme Anlagen an.

Eine weitere Variante wäre der Sparplan mittels eines Investment-Fonds. Dieser bietet zwar in vielen Fällen eine höhere Rendite und Flexibilität hinsichtlich der Verwendung des Kapitals, der Anleger muss jedoch seinen Anlage-Plan so gut wie selbst managen, denn eine Anpassung bei schlechtlaufenden Phasen des Fonds wird in den meisten Fällen nicht durchgeführt bzw. angeboten.

Lohnenswert könnte für den Sparer ein Blick auf einen ETF-Sparplan sein. Die börsengehandelten Index-Fonds ermöglichen eine breite Diversifikation bei gleichzeitig niedrigen Kosten, da ETFs passiv gemanagt werden. (13.01.2015/ac/n/m)