Zentralbanken navigieren in unbekannten Gewässern

Frankfurt (www.aktiencheck.de) – Als Maßstab für den Grad der expansiven Geldpolitik einer Notenbank wird bei internationalen Vergleichen häufig auf die Bilanzsumme einer Zentralbank hingewiesen, so Dr. Eberhardt Unger von „fairesearch“.

Da die Volkswirtschaften sehr unterschiedlich hohe BIPs aufweisen würden, werde die Bilanzsumme auch als Anteil des nominalen BIP aufgeführt. Welche Messlatte man auch immer nehme, die Zentralbanken würden eine ultraexpansive Geldpolitik führen. Die EZB, die BoJ, die BoE und die FED hätten ihre Bilanzsummen in % des BIPs in einem historisch noch nie da gewesenem Ausmaß erhöht. Am stärksten wachse die Bilanzposition Securities (Staatsanleihen, Hypotheken besicherte Wertpapiere). Sie würden von der Zentralbank gegen Liquidität gekauft. Die US-Notenbank weise darauf hin, dass ihre Bilanzsumme im Vergleich zu anderen sogar einen geringeren BIP-Anteil habe. Dabei sei ihre Bilanzsumme allein seit 2007 von einer auf über drei Billionen US-Dollar astronomisch angestiegen. Das sei unbekanntes Terrain.

Die Ausweitung der Bilanzsumme und die Wertpapierankaufprogramme hätten die gewünschte Konjunkturbelebung weder in der Eurozone noch in den USA, noch in England oder Japan zustande gebracht. Die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik seien aufgeweicht. Die Zentralbanken würden sich verstärkt in Abhängigkeit der Politik begeben. Eine unabhängige Notenbankpolitik sei kaum mehr möglich. Was Jahrzehnte lang als Garant für die Preisstabilität gegolten habe, sei abgeschafft. Neuverschuldung aus der Notenpresse.

Die Regierungen der meisten Industrieländer würden den Eindruck vermitteln, von fiskalpolitischer Disziplin („Austerität“) nicht viel zu halten und stattdessen mehr quantitative Lockerungen zu wünschen. Sie würden sich nicht mehr zu Milliarden, sondern zu Billionen summieren. Am erstaunlichsten sei, dass nur wenige Wissenschaftler auf die Gefahren der Finanzierung von Staatsausgaben mithilfe der Notenpresse hinweisen würden.

Durch allzu billiges Geld würden die Verschuldung und das „süße Leben auf Pump“ überaus attraktiv. Die Ausweitung von Geldmenge und Kreditvolumen verlagere die Inflationsgefahren auf die Finanzmärkte und führe so weltweit zur nächsten Krise. Die Finanzierung von Staatsausgaben durch die Notenbank widerspreche allen Grundsätzen fiskalpolitischer Disziplin. Die Staatsschulden würden nie mehr zurückgezahlt. (27.02.2013/ac/a/m)